Geschmacks-
verstärker

Der Künstler Nikolaus Eberstaller über Pannobile.

Das sind keine Starwinzer. Wer sie als solche simplifiziert, sollte lieber über Stützstrümpfe schreiben, um nicht bereits an der Oberfläche des Tiefgründigen zu scheitern. Um vom eh so klaren ins Vielschichtigere zu gleiten, bedarf es schließlich des Willens, Wort- und Denkhülsen abzuwerfen und sich jenseits markierter Wege auf neue Erfahrungen einzulassen. Keine Stars. Sie sind etwas Bedeutenderes, Längerwährendes und Authentischeres:

Sie sind ganz normale Menschen.

Das aber ist das Außergewöhnliche in einer Welt, die den Superlativ für jede Entbehrlichkeit bemüht. Heutzutage ist man bald ein Star. Da tut es dann doch recht gut, wenn man zwar sein Tun mit all dem gebotenen Mut ernst nimmt, sich selbst aber mehr als erdverknüpfter Bauer denn als abgehobener Bruce Willis (bzw. Lara Croft) sieht.

Gründecke statt Glamour.

Statt sich im Stagediving zu verlieren, bitten die Pannobilisten den Wein auf die Bühne. Dieser soll ein klares Abbild dessen, was ihn prägte, abstrahlen. Das ist marketingstrategisch natürlich nicht so einfach zu kommunizieren wie Winzer, die sich gerne von unten mit verschränkten Armen fotografieren lassen und sich selbst am supersten finden. Wer aber Wein in erster Linie mit Empfindung verbindet, der findet bei Pannobile in vielfältigster Weise seine Anregung. Ohne theatralische Hintergrundmusik.

Geht doch.

Anders gesagt: Es gibt Konsumenten, deren größtes Glück darin besteht, dass ihr Lieblingswein Jahr für Jahr exakt gleich schmeckt. Dass das ziemlich viel mit Technik, aber ausgesprochen wenig mit Terroir und jahrgangsunterschiedlichen klimatischen Bedingungen zu tun hat, ist im Abo inkludiert. Wer allerdings keine Verunsicherung, sondern Freude am Unvorhergesehenen empfindet, der ist bei Pannobile bestens aufgehoben. Hier werden Fragen gestellt und mit individuellen Weinen sehr lebendige Antworten geliefert. Es ist erlaubt, alles anzudenken, alles anzusprechen. Dass diese enorme Diversität auch innerhalb der Gruppe nicht immer friktionsfrei abläuft, ist klar. Wundert auch keinen. Verwunderlich ist nur, dass das so lange schon Früchte trägt. Pannobile ist eine der ganz wenigen Lebensgemeinschaften, die Bestand hat – auch wenn mitunter die Claims neu abgesteckt werden.

In den als Pannobile ausgezeichneten Wein darf nur rein, was inhaltlich zusammenpasst – auf den ersten Blick ein mindersympathischer Szenetreff-Türsteherjob. Was unter wohlgesonnenen Menschen verpönt ist, ist unter Weinreben aber durchaus erfreulich. Alles, was mit Nachnamen Zweigelt, Blaufränkisch oder St. Laurent (rot) bzw. Weißburgunder, Grauburgunder, Chardonnay oder Neuburger (weiß) heißt und aus Gols oder vom Leithaberg kommt, darf rein. Der Rest muss draußen bleiben. Wenn das erledigt ist, besteigen alle den Ring, um in einer finalen Blindverkostung gnadenlos auszutesten, ob die Freundschaft untereinander noch stabil genug ist – heitere Momente inklusive: könnte ja passieren, dass eines der Mitglieder den eigenen Wein rauskickt ­– dann gehen alle anderen in den Keller lachen.

In dieser Dynamik entwickelten sich über die Jahre eigenständige Stile, die dazu führten, dass Pannobile mehr als eine zweckorientierte Arbeits- oder gar Werbegemeinschaft geworden ist – sondern eine eigenverantwortliche, in sich faszinierend unterschiedliche und sich trotzdem, oder gerade deswegen, gegenseitig befruchtende Gemeinschaft Ähnlichgesinnter, die eines antreibt: dem Leben gleichermaßen Sinn wie Geschmack zu geben.

Pannobile wurde 1994 gegründet, zu einer Zeit, als Claudia Jung und Richard Clayderman mit „Je t’aime, mon amour“ und die Bayerischen Motoren Werke mit dem 3er compact das Ende der Welt einläuteten. Außerdem beobachteten am 15. Januar zwischen 16:06 und 16:28 Uhr in Neuruppin etwa 30 Personen mehr als fünf Kugelblitze. Keine leichte Zeit. Und es wurde auch nie leichter. Denn mit dem rasanten Reifeprozess der Pannobile-Mitglieder wurde aus der romantischen Idee bald auch bittere Realität. Es muss ähnlich gewesen sein, als die Blumenkinder der Sechziger älter wurden, ihr inneres Kind in die Tonne kippten und feststellten:

Weltretten macht keinen Spaß mehr. Die schummeln alle.

Die Pannobile-Gruppe aber hat sich entschlossen, das innere Kind drinzulassen. Acht von neun Betrieben haben begonnen, ihr unmittelbares Wirkfeld auf biodynamisch umzustellen. Statt den Planeten zu retten, einigte man sich darauf, zumindest nicht an seinem Untergang beteiligt sein zu wollen. Ironie an der Sache ist, dass sich bald herausstellen sollte, dass Biodynamie viel mehr bedeutet, als bloß schonend zu produzieren. Es geht um viel mehr, insbesondere um die nicht selten strapaziöse Ergänzung des universellen Denkens durch ein ebensolches Tun – somit irgendwie schon wieder die Welt retten. Wer mit der Forschung von Bruce H. Lipton (Lipton/Bhaerman: Spontane Evolution) vertraut ist, der weiß, dass bereits das Denken an eine bessere Welt dazu führen kann, dass sich Dinge erstaunlich wandeln. Eine Veränderung unserer Überzeugungen beeinflusst die spontane Evolution unserer Spezies. Erfreulicherweise haben diese Erkenntnisse mittlerweile nichts mehr mit Glaskugelromantik zu tun, sondern mit wissenschaftlich erforschter Epigenetik.

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wo wir hinkämen, wenn alle so denken und tun würden?

Ja? Eben. Zum Wohl.
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